Lebensabschnitte in Ausschnitten theatralisch recherchiert und bearbeitet von und mit Menschen mit Migrationsgeschichte.
In bisher drei erfolgreichen Theaterproduktionen haben sich 15 Darsteller mit Migrationsgeschichte und aus verschiedenen Generationen mit ihrer ganz persönlichen Geschichte auseinandergesetzt und diese auf die Bühne gebracht. Für die aktuelle Staffel konnten die iranische Schriftstellerin Sudabeh Mohafez und der ungarische Schriftsteller Imre Török als Unterstützer und Projektbegleiter gewonnen werden.
Unsere heutige Gesellschaft ist durch das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Norm- und Wertvorstellungen geprägt. Wie können Wege der Verständigung und des Vorurteilsabbaus gefunden werden, um ein friedliches Miteinander zu garantieren? Kommunikation ist Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit anderen Menschen und Theaterarbeit bietet Kommunikationsstrukturen auf sehr unterschiedlichen Ebenen an: in der arbeitenden Gruppe selbst, im Spiel miteinander und der Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle, sowie im Kontakt mit dem Publikum.
Gerichtet ist das interkulturelle Theaterprojekt insbesondere an Migranten und Migrantinnen aller Altersstufen, die das Angebot aus Neugier, Freude an der künstlerischen Arbeit, Lust am sozialen Miteinander oder für private Zwecke nutzen möchten. Thema sind die Lebensalter, allerdings immer unter dem Aspekt der Migration und interkulturellen Fragestellungen. Die Inhalte werden von den Teilnehmern in intensiven Gesprächsrunden und regen Diskussionen mitgestaltet und von der Workshopleitung aufgefangen. Zur Erarbeitung der jeweiligen Theaterstücke werden gemeinsam die biografischen Aspekte der Teilnehmer, ihre Erlebnisse und Erfahrungen ausgewertet. Ziel des Projektes ist neben der Förderung der schauspielerischen Fähigkeiten und des Heranführens an die Theater- und Kulturarbeit, die Förderung sozialer und beruflicher Kompetenzen und die interkulturelle Sensibilisierung der Teilnehmer unterschiedlicher Generationen untereinander, des Umfelds und der des Publikums.
Das alles auf theatralisch ansprechende und professionell in Szene gesetzte Art und Weise.
Die schauspielerische Grundlagenarbeit umfasst Sprech- und Stimmübungen, Körpertraining und Improvisationsübungen, Übungen für szenische Phantasie, für Selbstvertrauen, Konzentration, Spontaneität, Einfühlungsvermögen und allgemeine Übungen zur Steigerung der emotionalen, körperlichen und sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Neben der Proben des Theaterstücks, der regen Kommunikation der Teilnehmer untereinander als auch mit der Workshopleitung, wird der theatralische Grundlagenarbeit viel Zeit eingeräumt, da sie die Basis für ansprechende Theaterarbeit ist.
Im Augenblick entsteht nach drei erfolgreichen Produktionen zu „Kindheit“, „Jugend“ und „Heldenalter“ ein Theaterstück, in dem das „Reife Alter“ im Mittelpunkt steht. Kooperationspartner ist das soziokulturelle Zentrum Laboratorium, in dem das Projekt durchgeführt wird, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Vielfalt tut gut Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ und vom Fonds Soziokultur.
Namenhafte Schriftsteller geben Input ....
Wie in den vorausgegangen Produktionen, begann auch das aktuelle Theaterprojekt mit einem ganztägigen Intensivworkshop, an dem die Teilnehmer die inhaltlichen Schwerpunkte für das jeweilige Theaterstück gemeinsam mit Schriftstellern und dem Regisseur diskutierten und theaterpädagogisch erarbeiten. Neben der iranischen Schriftstellerin Sudabeh Mohafez bereicherte dabei der ungarische Schriftsteller, Journalist und Dozent Imre Török, Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller, den Tag. Sein persönlicher Input war Grundlage für eine anregende Auseinandersetzung. Im Laufe des Tages wurden dann gemeinsam die verschiedenen Lebensabschnitte unter biografischen Gesichtspunkten
hinterfragt, durchleuchtet und diskutiert.
Die in Teheran geborene und preisgekrönte Schriftstellerin Sudabeh Mohafez begleitet den Prozess der vierten Theaterproduktion zum Thema „Reifes Alter“ auch weiterhin, nimmt an den wöchentlich stattfindenden Workshops teil und wird auf dieser Grundlage das Stück verfassen. Die eigene Lebensgeschichte und Erfahrungen der Schriftstellerin bergen einen Reflexionsboden, der für das Theaterstück mit Sicherheit bereichernd sein wird. Man darf auf die nächste Premiere gespannt sein!
Perspektive der Teilnehmer ...
Die Resonanz der Teilnehmer ist durchweg positiv. Auswertende Gespräche des Veranstalters mit den Teilnehmern und der Workshopleitung zeigen den intensiven, aber auch nicht immer reibungslosen Prozess der hinter dem sichtbaren Ergebnis der Theaterproduktion steht.
Die gemeinsame Auseinandersetzung mit sehr emotionalen und persönlichen Themen ist eine große Herausforderung für jeden einzelnen Teilnehmer, aber auch für die Workshopleitung und benötigt eine sensible Herangehensweise. Die Intensität und Offenheit jedoch, mit der die Teilnehmer in kürzester Zeit in diesem geschlossenen Rahmen aufeinander zugehen konnten und können, zeigt den Bedarf, den solch ein Projekt wecken kann und die dahinter steckende Notwendigkeit. Kulturelle Prägungen und Differenzen wurden thematisiert und erfolgreich ausdiskutiert. Die Teilnehmer lernten die Ansichten und Einstellungen der anderen Teilnehmer kennen und konnten sie in den eigenen Bezug setzen. Spannend waren und sind die Diskussionen insbesondere unter dem Aspekt unterschiedlicher Generationen, die sich zusammen gefunden haben. Welche unterschiedlichen kulturellen Prägungen haben die Teilnehmer unterschiedlicher Generationen erfahren?
„Respekt“, so ein Teilnehmer, „vor den kulturellen-, sozialen- und Altersunterschieden, das hat uns die gemeinsame Arbeit mitgegeben!“
Die nächsten Aufführungen zum Thema Reifes Alter finden am Fr., 5. und Sa., 6. Februar 2010 im Kulturzentrum Laboratorium statt.
Bisher entstandene Theaterstücke